Wer suchet, der findet...

auch wenn es nie das ist, was man eigentlich gesucht hat. 



oder Willkommen im Choas


Sicher kennen Sie die Sache mit den Socken und der Waschmaschine. So in etwa ist das mit meinem Haushalt. Die gesamte Wohnung: ein einziges, schwarzes Loch. Irgendwie war das schon immer so, aber seit ich Kinder habe, ist dieses schwarze Loch auf eine unmessbare Größe angewachsen.

Platz 1 auf der Vermissten-Hitliste: Schnuller. Mindestens zehn sind pro Kind im Einsatz, aber im Notfall findet man – genau – keinen einzigen. Erschwerend hinzu kommt, dass Jonne zum Einschlafen eine Art meditative Schnuller-Rotation vollzieht. Das heißt, er braucht mindestens zwei, besser noch drei Exemplare - und die werden dann reihum durchgelutscht.

Neulich um drei Uhr früh war ich, Sherlock Holmes, wieder im Einsatz. Stocherte mit Kochlöffeln unter dem Bett entlang, wühlte zwischen den Kissen, fingerte im Schlafsack herum. Keine Gummisauger. Mein kriminalistischer Spürsinn war geweckt. Im Halbdunkeln fröstelnd tappte ich mit einer Taschenlampe durch die Wohnung. Je länger ich suchte, desto lauter das Babygeschrei. Blieb also nur noch der Frontalangriff: Licht an, Kind und Matratze aus dem Bett hieven – und siehe da: fetter Beutefang. Was für eine Genugtuung. Fall gelöst.
oder Willkommen im Choas
Leider endet nicht jede Mission so erfolgreich. Was vor allem am Einfallsreichtum meiner Kinder liegt. Da wandern Teelöffel in den Tankwagen (Reinstecken ist kinderleicht, Rausholen nur mit Fingerakrobatik möglich), CDs in den Backofen und das Altpapier in die Badewanne. Dahinter kommt man oft nur durch Zufall. Wenn man mal rein aus Vergnügen den Kekskrümelspuren folgt. Jetzt, wo Jonne zahnt, wäre Schwarzlicht auch eine gute Möglichkeit, Diebesgut aufzuspüren. Einfach nur dem Sabberfaden nach...
Aber Spaß beiseite. Es gibt auch heikle Fälle. Der Klassiker: Schlüsselbund im Klo. Da hatten wir Glück – ich sah es noch gerade rechtzeitig und so kamen wir ohne Gepümpel aus der Nummer raus. Viel brenzliger war die Sache mit dem Stoffhasen, der zusammen mit anderen Spielzeugen in die Stehlampe geworfen wurde. Sie ahnen vermutlich, wie die Geschichte weiter geht. Die Lampe wurde von Kinderhand angeschaltet und dann tauchte der vermisste Hase wieder auf. In Form eines Hasenbratens. Nach diesem Erlebnis wollte ich sofort die Rauchmelder anbringen, die wir schon vor Monaten gekauft hatten. Nur konnte ich die leider nicht finden...

Oder Willkommen im Chaos


Dafür finde ich regelmäßig andere Dinge. Beim Schuhe anziehen zum Beispiel. Denn bei uns ist jeden Tag Nikolaus. In den Stiefeln: Matchboxautos, Puzzleteile oder – das tut besonders weh, wenn man's nicht rechtzeitig merkt – Duplosteine. Am schönsten sind aber solche Fundstücke, die eine Zeitlang sehnlichst vermisst und längst in Vergessenheit geraten sind. So entdeckte ich neulich auf der Suche nach einer Sandschaufel den zweiten Gummistiefel meines Sohnes im Baumhaus. Und auf der Jagd nach entgleisten Smarties stöberte ich meine von einer Krümelschicht überzogene Wimperntusche auf.
Und, Sie werden es nicht glauben, sogar die Rauchmelder sind wieder aufgetaucht. Oben an der Decke. Die hatte mein Mann still und heimlich angebracht. Raffinierte Taktik, Watson...



Ähnlich erschienen in "Leben & erziehen", Juni 2012